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verlagsheft2017

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Klar, der Strand war schön (Artikelnummer: ISBN 978-3-942401-29-6)

Zugriffe: 2470 | Wertung:
27 faszinierend vielstimmige Erzählungen. Geschichten zu Reisen, Begegnungen, Verletzungen und Träumen stehen neben kriminalistischen und märchenhaften Fantasien. Vom Mond über Berlin-Hohenschönhausen nach Amerika und zurück ans Meer. Klar, der Strand war schön. Klar, schön ist der Strand!

Die im Band versammelten Erzählungen von 23 Autorinnen und Autoren sind im Geschichtenprojekt entstanden, das Nelli Elkind initiiert und über zwei Jahre in der Macherei durchgeführt hat.

Die Macherei ist das Angebot zur Beschäftigung und Bildung für Erwachsene mit Behinderung der Evangelisches Johannesstift Behindertenhilfe gGmbH.

Textauszug:

Warum?


Sabine Bohm-Scanu

Spatzen fliegen, Hummeln summen … Warum? Ich habe jetzt sehr viel Zeit zum Überlegen. Zeit … Tagelang, nächtelang. Wie lange noch? Es ist jemand gestorben, ich habe die Todesanzeige gelesen. Da stand: „Warum?“ Wirklich, warum? Die Frage, auf die mir niemand eine Antwort geben kann oder mag.
Ich bin ein Naturmensch. Besonders mag ich den Frühling. Die Sonne geht früher auf und alles wird hell. Spatzen fliegen, Hummeln summen … Wie lange darf ich noch sehen und hören? Ich merke, dass meine Kräfte mich langsam verlassen. Meine Mutter ist alt, das kann man ihr immer mehr ansehen. Nur die Natur bleibt schön. Spatzen fliegen, Hummeln summen … Sie werden es auch weitertun.
Jetzt scheint die Sonne noch für mich. Wie lange noch? Einen Sonnenschein habe ich schon verloren. Mein Mann war ein Stück Sonne für mich. Ich bin mit ihm abgehauen, nach Südamerika. Wir haben uns gesagt … Wir haben uns viel gesagt und viel versprochen. Ich war 18. Mit 18 hat man viele Träume.
Ich liege in meinem Bett. Der Duft von Räucherstäbchen kitzelt meine Nase. Ich bin gar nicht hier, nicht in meinem Bett und ohne die Kathederschläuche und der Klingel in der Hand. Ich habe mich irgendwo in meinen Träumen verlaufen. (Dann finde ich nicht den Weg zurück … oder will ihn gar nicht zurückfinden) Manchmal verwechsele ich Traum und Wirklichkeit. Das Leben ist verrückt. Zehn Jahre lang war ich Arzthelferin in einer orthopädischen Praxis. Jetzt brauche ich selber orthopädische Schuhe. Meine Frage ist immer noch – Warum? MS ist ziemlich gemein.
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich mir wünschen, dass ich temperamentvoller wäre. Manchmal denke ich, ich schreie – in Wirklichkeit flüstere ich nicht einmal. Manchmal traue ich mich nicht, etwas zu fragen, geschweige denn, etwas zu verlangen. Das habe ich von meiner Mutter. Sie hat immer zu mir gesagt, sei wie die Blume, bescheiden und rein und nicht, wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein. Bescheidenheit ist aber manchmal eine Strafe.
Meinen Mann habe ich mir selber ausgesucht. Ich hatte da schon meine Vorstellungen, wie er sein sollte. Das war das einzige Mal, dass ich nicht bescheiden war.
Tür auf, Tür zu. Die Zeit verfliegt. Auf die linke Seite drehen, dann auf die rechte. Nadel rein, Nadel raus. Stimmen, Schritte …Auf manche freut man sich, auf andere weniger. Dann schalte ich einfach ab. Jetzt bin ich nicht mehr in meinem Zimmer. Ich bin in einer schönen Landschaft. Am Horizont ziehen Wolken, die Weite reizt mich so. Es sind nicht die Hände, die mich drehen. Das Flugzeug fliegt mal links, mal rechts. Das sanfte Schaukeln bringt mich immer weiter weg.
Mein Mann, mein Stück Sonne, hat sich erschossen. Wie gottlos von ihm. Ich muss damit leben.
Warum? Kann ich dir diese Frage stellen? Keiner antwortet mir. Auch du nicht, der mir so viel versprochen hat. Du antwortest mir auch nicht.
Warum? Ich muss jetzt damit leben. Die Natur gibt mir Kraft. Spatzen fliegen, Hummeln summen … Noch ein Tag ist vergangen.
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