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verlagsheft2017

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Mein Sternbild ist Skunk (Artikelnummer: ISBN 978-3-942401-52-4)

Zugriffe: 2243 | Wertung:
Die von mir dargestellte Autobiografie ist, wie man so sagt, ein Zufallsprodukt, mir ein inneres Bedürfnis. Doch die Initiatorin hierzu war in dankenswerter Weise meine Tochter Marion. „Erzähl doch mal Papa, wie war das damals in deiner Kinder- und Jugendzeit?“ Mit dem Erzählen komme ich aber nicht weit. Mitten im Redefluss unterbricht sie mich. „Weißt du Papa, das ist mir alles zu hoch. Warum schreibst du das nicht auf?“ Nun gut, denke ich, für die lieben Enkel kann es ja nur nützlich sein. Weitere Pläne hatte ich mit dem Geschriebenen nicht. Mein Schädel gleicht einem Archiv. Gespeichert darin sind noch viele offene Fragen, aber auch Episoden mit sehr unterschiedlichem Inhalt. Und so schrieb ich erst mal das auf, was ich meiner Tochter erzählen wollte. Ich möchte ihr damit „Danke“ sagen. Danken möchte ich aber auch meiner Frau. Sie hat meinen Spleen mit stiller Geduld ertragen. So wie vieles in unserer fast fünfzigjährigen Ehe. Wir hatten noch Pläne. Ich kann sie nicht mehr danach fragen.
Rolf Burkert

Textauszug:

Guten Tag, hier bin ich wieder

Nun stehe ich wieder vor der Hoftür meiner Schwiegereltern. Hier vermute ich auch meine Frau. Ich trete von einem Bein aufs andere, weil es so lange dauert, bis sich jemand zeigt. Meine Schwiegermutter kommt endlich aus der Haustür, erblickt mich, stellt laut fest: „Ach sieh an, der Rollitschko ist da! So komm doch rein, du wirst erwartet!“ Ich bin zu keiner Bemerkung fähig, wie in Trance bewege ich mich vorwärts. Diese Situation setzt mich außer Gefecht, sie lähmt mich nahezu. Meine ganzen vorher zurechtgelegten Begrüßungsformeln sind wie weggeblasen. Beim Betreten der guten Stube stammele ich ein „Guten Tag!“. Zu mehr bin ich grad nicht in der Lage. So eine vertraute Begrüßung habe ich nicht erwartet. Es schwingt kein Ton eines Vorwurfs mit. 
Zu meiner Begrüßung ist die Familie meiner Frau nicht vollzählig angetreten. Das macht es für mich um einiges einfacher. „Nun geh mal rüber, dort wirst du schon erwartet“, höre ich es aus dem Hintergrund.
Nebenan in der anderen Zweifamilienhaushälfte wohnt immer noch meine Frau mit meinen beiden Jungs. Um dorthin zu gelangen, muss ich noch an einer meiner Schwägerinnen vorbei, sie und ebenfalls ihren Mann begrüßen. Auch das überstehe ich, begebe mich schweren Schrittes die paar Stufen hinauf zu unserer Wohnung. Absichtlich trete ich fest auf, um die in mir aufsteigende Verlegenheit zu verbergen. Das erahnend, hat meine Frau die Küchentür weit geöffnet.
Ich sehe sie in der Küche hantieren, klopfe kurz an, stelle meinen Koffer in dem kleinen Flur ab. Ein paar Schritte und ich stehe meiner Frau gegenüber. „Guten Tag, hier bin ich wieder“, und reiche ihr ungeschickt meine Hand. Ich bemerke, wie sie zögert, tue aber möglichst unbefangen. Ohne eine weitere Reaktion abzuwarten, wende ich mich unseren beiden Jungs zu.
Der Große wird nun zwei Jahre alt. Er zeigt sich uninteressiert an mir, weil ein Spielzeugauto seine ganze Aufmerksamkeit fordert in seinem Revier, dem Laufgitter.
Der Kleine, nun auch bald ein Jahr alt, döst in seinem Kinderbettchen ganz friedlich vor sich hin. Da meine Frau keine Fragen stellt, entsteht eine Pause des Schweigens, die mich ziemlich in Verlegenheit bringt.
Schließlich hole ich meinen Koffer, lege ihn in der Schlafstube auf unser Ehebett, öffne ihn und beginne Sachen auszupacken. Prüfend begutachtet meine Frau jedes für die Kinder gekaufte Wäschestück. Fast wie nebenbei fragt sie mich: „Und warum hast du uns kein Geld rübergeschickt?“ Die Frage kommt nicht unverhofft. Ich sage ihr, die Behörden im Westen seien von mir sehr wohl darüber informiert gewesen, dass ich hier Frau und Kinder habe. Vom dortigen Jugendamt bekam ich die Auskunft, zwar sei ich für den Unterhalt meiner Familie auch im Westen verpflichtet, jedoch gestalte sich eine diesbezügliche Kontaktaufnahme mit den dafür zuständigen Behörden in der Ostzone als extrem schwierig, schon allein wegen des Zahlungsverkehrs. „Glaub mir, es war gewiss keine böse Absicht von mir“, sage ich entschuldigend.
„Nun aber bin ich wieder hier, Montag melde ich mich bei dem Volksgut zur Arbeit, alles Weitere wird sich finden. Hauptsache, ich verdiene wieder genug Geld für uns.“ Mir ist es durchaus bewusst, dass es in diesem Moment vollkommen unangebracht ist, mit Versprechungen einen mir genehmen Hausfrieden zu erzwingen.
Am Montagmorgen melde ich mich im Büro des Volksgutleiters. Ich erkläre ihm meine Absicht, demnächst wieder meine Arbeit aufzunehmen, zuvor hätte ich noch einige dringende Angelegenheiten in der Kreisstadt zu erledigen. Ich vermeide es tunlichst, irgendwo im Betrieb an diesem Tag aufzukreuzen, schon um neugierigen Kollegen aus dem Weg zu gehen.
Nur meinen Malerkollegen suche ich in seiner Werkstatt auf, informiere ihn über meine Pläne.
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