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verlagsheft2017

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Aufbruch ins Diesseits (Artikelnummer: ISBN 978-3-942401-71-5)

Zugriffe: 2367 | Wertung:

Dieses Buch ist ein Geschenk: An mich selbst, an meine Familie, meine Freunde und die Leserinnen und Leser.
Ein Almanach vielfältiger Texte in Inhalt und Form: Lyrik, Prosa, Aphorismen, Biografisches stehen neben Rezensionen und Berichten. Sie mögen die LeserInnen anregen, darüber zu sprechen und nachzudenken.
Ich gebe Persönliches preis. Sich selbst gegenüber ehrlich, authentisch und aufrichtig Auskunft zu geben bedeutet für mich, Brücken zu bauen. Ich lasse teilhaben an meiner Lebensfreude und an meinem Sinn für Humor. Aber auch Dramatisches, Ernstes, Kritisches sowie Sinnliches und Liebenswertes findet seinen Platz.
„Die Mitteilbarkeit erlöst aus der Stummheit.“ (Hilde Domin)
Diesen Satz kann ich oft bei Lesungen nacherleben, wenn mir Menschen danach ihre Lebensgeschichten schildern. Dann wird mir bewusst, mein Mut zur Offenheit hat sich gelohnt.

Annegret Angela Winkel

Textauszug:

Erinnerungsfetzen auf meiner Seele

 

Nebelschwaden schweben über den Fluss, fangen Tau am Saaleufer. Sitze früh um sechs in der Straßenbahn. Menschen sehen müde aus. Wollen sie zur Arbeit?

Der Alkoholiker gegenüber haucht mir seinen Atem ins Gesicht, Augen glasig wie die Scheiben der Bahn, die mit Werbung verdeckt sind. Am Markt steigen die Rathäusler aus, auch die Verkäuferinnen vom „Kaufhof“. Ein Hauch von Morgenparfüm bleibt in der Bahn hängen. Grüße stumm Händels Denkmal. Die Bahn rumpelt, düst und schlängelt sich wie ein polternder Eisenwurm durch die erwachende Stadt. Lehrlinge und Studenten vergleichen ihre Hefter, besprechen die kommende Klausur. Stimmengewirr rauscht an mir vorbei. Am Bahnhof zerstreuen sie sich.
Hinein fluten Arbeiter mit festem Schuhwerk, Rucksäcken. Im Blaumann steckt in der Seitentasche der Zollstock. Alle finden einen Platz. Das war vor dem Umbruch nicht so: Stehbankett mit Stulle in der ächzenden Tatrabahn. Drängeln, Fluchen, Rucken.
Die Überlandfahrt bringt sie nach Schkopau, Buna, Merseburg und Leuna. Den Fragmenten einer einst mächtigen Chemieindustrie stehen gespenstig anmutende, hohle Gebäude mit eingeschlagenen Fenstern gegenüber. Mein Onkel Erwin hatte hier gearbeitet.
Erinnerungsfetzen legen sich auf meine Seele. Gleich dem Laub, das Wind aufwirbelt, werden sie zerstreut.
Muss aussteigen, will zum Zahnarzt. Lasse mir die Spritze geben, kann zwei Stunden nicht sprechen, nicht essen. Bin nicht traurig. Habe anderes vor: Die Rückfahrt mit verschiedenen Linien.

unverblümt

im frühen nebel lege ich dir perlende tautropfen
auf weiche blätter
vom schlaftrunkenen harr sauge ich dir
finsternis aus wirren träumen

neigen sich mir nieselfeuchte stengel hin
im verhangenen zwielicht des
schon wieder des noch nicht
des aufsteigenden tages

betört mich taumelnd im schneidenden wind
am gurgelnden see
dein ungezähmtes verlangen
nach meiner erwachenden blüte

Kinderjahre

Übermäßiges Trinken von Alkohol meiner Mutter prägte meine Kindheit. Ich konnte keine emotionale Bindung zu ihr aufbauen. Oft schlug sie mich, nachdem sie getrunken hatte, mit Teppichklopfer, dem Feuerhaken oder schleifte mich über den Teppich. Ich schrie dann um mein Leben und raste durch die Wohnung, um ihr auszuweichen. Als ich fünf Jahre alt war, lief ich abends das erste Mal von zu Hause fort. Ich versteckte mich in meiner Bude am Bahndamm. Dort spielten meine Freunde und ich tagsüber Vater, Mutter, Kind. Da gab es keinen Streit, keinen Kampf.

Dass meine Mutter krank war, begriff ich später. Doch da waren meine Eltern schon geschieden. Ich sah die Mutter zuletzt als Zehnjährige, dann nie wieder. Meinen Kummer, meine Sehnsucht nach ihr durfte ich vor der Familie meines Vaters und seiner neuen Frau nicht zeigen. Sofort wurden beide ungehalten und verboten mir den Mund. Gefühle wie Traurigkeit, überschwängliche Freude oder auch Wut durften nicht sein. Dafür bekam ich Strafen wie Stubenarrest, Fernsehverbot und Taschengeldentzug.
Ich zog mich in mich zurück und schrieb Briefe an eine imaginäre Freundin in mein Tagebuch. Dort ließ ich meinen Schmerz. Im Alter von zwölf Jahren begann ich nachts wieder einzunässen. Die Frau meines Vaters schlug mir das Laken um die Ohren und beschimpfte mich. Oft weinte ich und schluchzte laut immer wieder den gleichen Satz: „Ich kann doch nichts dafür.“

 

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