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verlagsheft2017

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Leuchtturm (Artikelnummer: ISBN 978-3-942401-67-8)

Zugriffe: 2331 | Wertung:
In sieben Erzählungen nimmt Peter Drescher Abschied von einer Welt, die radikalen Veränderungen weichen muss. Es war seine Zeit, sein Leben. Er schreibt gegen das Vergessenwerden und findet mit seinen Erinnerungen eine Brücke zum Gegenwärtigen.
 
Textauszug:
 
Auferstehung
 
Weiß. Alles weiß. Wie Nebel. Nebelschwaden. Heftig zerre ich an der Bettdecke. Zerren? Nein, es ist mehr ein krampfiges Wischen, und heftig ist es schon gar nicht. Trotzdem überspült mich sofort völlige Ermattung, die mich in bleiernen Dusel sinken lässt. Irgendwann reiße ich die Augen auf, bekomme einen gleißenden Punkt zu Gesicht – gleißender Punkt, glitzerndes Etwas, ein Flackern, hell, dunkel, hell. Schmerzen, undefinierbar, nicht zu orten, durchwallen mich. Oben, Kehle wohl, ist es trocken, verdorrt. Quälender Durst, Hitze dort, wo ich meinen Mund vermute. Ja, dort muss mein Mund sein, an der Stelle sandigen Drucks. Genau weiß ich es nicht, weiß nicht, wo Beine, Nase, Ohren sind. Ich schwebe, falle tief, noch tiefer, erahne ein Aufprallen, mich blendet das grelle Flackern. Ich atme, röchle, undeutlich schwimmt eine Greifzange heran, an der bitteren Mundstelle fühle ich pfefferminzene Feuchte. Labsal, herrlich, ich zucke, quallige Masse, anscheinend mein Körper, bäumt sich auf. Wasserfallartiges Rauschen, Dunkelheit, Leere. Nichts.
Beim nächsten Erwachen hat sich der Durst – diese am Rande des Wahnsinns lauernde Dürre - ins Unendliche verstärkt. Ich sinke zerschlagen in die Tiefe, steige wieder auf, erkenne jetzt das über meinen Augen schwankende Flackern als eine gewöhnliche, sanftes Licht ausströmende Leuchtstoffröhre.
Dieses Licht sehe ich, Licht, Licht, Licht. Will meinen Kopf drehen, ihn nur ein Stückchen heben, ein wenig rücken. Nichts. Angeschmiedet, angenietet ist der Kopf. Mein Körper, nun bemerke ich ihn, liegt in einem Bett.
Mühsam öffne ich meinen Mund, schreie und schreie. Keiner hört, kann nicht hören, weil keine Töne entwichen sind. Lähmende Stille. Dabei habe ich doch tierisches Brüllen gehört - in Wirklichkeit muss es nur ein Röcheln gewesen sein. Trotzdem steht augenblicklich eine Person an meinem Bett, ein Gesicht bewegt sich zu mir hin. Ich gewahre eine Schwester, bemerke in ihrer Hand - nicht Greifzange - einen wässrigen Wattebausch, mit dem sie mir über die trockenen Lippen streicht. Kühles Nass, Erleichterung. Ich wähne mich glücklich.
„Alles ist gut“, sagt die Schwester. Das sind die ersten Worte, die ich bewusst aufnehme. Tränen laufen mir übers Gesicht.
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