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verlagsheft2017

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Andere Frequenz (Artikelnummer: ISBN 978-3-942401-94-4)

Zugriffe: 2800 | Wertung:

„Andere Frequenz“ ist der Titel, den die aktuelle Anthologie mit Schülertexten trägt, die im Ergebnis des
Schreibwettbewerbs vom Friedrich-Bödecker-Kreis Sachsen-Anhalt entstanden ist. Dieser Wettbewerb
stand erneut unter dem Motto „Unzensiert und unfrisiert“. Insgesamt wurden dazu 4.850 Texte
eingereicht, zum größten Teil von Kindern und Jugendlichen aus Sachsen-Anhalt, aber auch aus
anderen Bundesländern und sogar aus Luxemburg und der Schweiz.
In ihren Geschichten, Gedichten und Tagebuch-Aufzeichnungen berichten sie über Erlebnisse
in der Schule, in der Freizeit, mit Familie und Freunden. Unzensiert und unfrisiert geben die Texte
Einblicke in das, was junge Menschen in dieser Zeit bewegt. Die Schüler bringen Gedanken und
Gefühle zu Papier, geben Einblick in ihr eigenes Leben, widerspiegeln Beobachtungen im
persönlichen Umfeld, benennen Wünsche, Träume und Ängste. Aber das Schreiben bietet auch
Raum für Phantasievolles und Märchenhaftes. Dabei erproben sich die jungen Schreiber auch
an Wortspielen und unverhofften Wendungen.

Textauszug:

Lucas Darius, 12 Jahre, Sülzetal

Julien

Manchmal stelle ich mir vor, dass ich ganz woanders leben würde. In Afrika, im Kongo, wäre das Leben sicher ganz anders als in Sülzetal. Mein Vorname wäre sicher nicht Lucas, sondern Julien oder Edouard. Das sind französische Vornamen. Warum? Weil die Franzosen mal als Kolonialmacht im Kongo das Sagen hatten.

Viele Kongolesen sprechen heute noch die französische Sprache und haben französische Vornamen. Julien gefällt mir. Also erzähle ich euch, wie ich mir das Leben als Julien im Kongo vorstelle: „Ich, Julien, würde sehr gerne zur Schule gehen, aber ich kann nicht, weil meine Eltern dafür kein Geld haben. Ich muss immer im Haushalt helfen. Ich muss Wasser vom Bach holen und ins Dorf tragen, muss immer die Wäsche waschen, unsere Hütte ausfegen und viele andere Arbeiten verrichten. Meine Eltern sind den ganzen Tag weg. Sie sind auf der Arbeit, denn sie müssen Geld verdienen. Wir können uns leider nicht so viel leisten, weil sie für ihre Arbeit nur wenig Geld bekommen. Wir essen fast jeden Tag Reis mit Gemüse. Aber ich möchte gerne auch mal etwas anderes essen.

Ich gehe jeden Abend um 19:00 Uhr ins Bett. Meine Eltern kommen erst um 21:00 Uhr von der Arbeit zurück. Ich habe fast gar nichts von meinen Eltern. Gern würde ich in die Schule gehen. Ich habe nur wenige Freunde, weil ich den ganzen Tag arbeiten muss. Die Kinder, die in die Schule gehen, haben Freunde. Ich habe keine. Darum bin ich immer sehr traurig und ich muss dann manchmal weinen.

Heute kamen meine Eltern schon sehr früh von der Arbeit. Traurig sagte ich zu ihnen: ‚Mama, Papa, ich würde gern zur Schule gehen!‘ Meine Eltern sahen mich an, und Mama sagte: ‚Wir haben eine kleine Überraschung für dich.‘

‚Was denn Mama?‘, fragte ich.

‚Du kannst ab der nächsten Woche in die Schule gehen!‘, sagte sie.

Freudig rief ich: ‚Jaaa, ich kann zur Schule gehen!‘

Nun begann die Woche, da ich zur Schule ging. Ich war sehr nervös, als ich das Klassenzimmer betrat. Alle lächelten mich an und auch die Lehrerin Frau Mbia.

Wir hatten in der ersten Stunde Mathe. Ich saß neben einem netten Jungen. Sofort haben wir uns angefreundet. Sein Name ist Taio. Er ist genau so alt wie ich und wir haben beide im selben Monat Geburtstag. Ich fragte Taio: ‚Kommst du nachher zu mir zum Spielen?‘

Taio antwortete: ‚Ja ich komme dann um 15:00 Uhr zu dir. Du musst mir noch sagen, wo du wohnst.‘

Ich beschrieb ihm den Weg und wir verbrachten einen tollen gemeinsamen Nachmittag.

Am nächsten Morgen holte mich Taio zu Hause ab. Auf dem Weg zur Schule trafen wir Frau Bosungu. Sie sagte: ‚Beeilt euch, sonst kommt ihr zu spät!‘

Wir lachten und rannten schnell weiter. Nach der Schule besuchte ich Taio und lernte seine Mutter kennen. Seit dieser Zeit sind wir beide die besten Freunde. Ich muss nicht mehr traurig sein, denn wir lachen viel, wenn wir zusammen sind. Es ist schön, einen Freund zu haben und in die Schule gehen zu können.

Für Julien in Afrika ist es schön, zur Schule gehen zu können und Freunde zu haben. Für mich auch.

Michelle Dresler, 7. Klasse, Rüsselsheim

Worte sind Waffen

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Worte nicht einfach nur Worte sind? Dass sie so vielfältig eingesetzt werden können, dass man schon den Überblick darüber verloren hat?

Nein? Dann muss ich es euch wohl erklären.

Wisst ihr, wenn ich Worte mit einem einzigen Wort erklären müsste, dann wäre dieses Wort … unvorhersehbar.

Versteht ihr? Denn Worte sind in so vieler Hinsicht unvorhersehbar, dass es schon beinahe zum Verrücktwerden ist. Aber ich glaube, diese Erklärung hat euch nicht wirklich weitergeholfen oder?

Okay, dann mal eben ganz abstrakt: Worte können euch zum Lachen und zum Weinen bringen, sie können euch Mut machen, euch aber auch zugleich den Mut nehmen, sie können dafür sorgen, dass ihr misstrauisch werdet, und sie können euch Vertrauen einflößen, sie können euch verwirren, können euch aber auch vieles klarmachen. Kurz gesagt: Worte können dich alles fühlen lassen, was es zu fühlen gibt.

Ich habe schon oft Leute getroffen, die wahre Schänder der Worte waren, so, wie sie mit ihnen umgegangen sind. Aber ich kenne auch Leute, die wahre Wort-Künstler gewesen sein müssen, so, wie sie sprachen. Und dann habe ich mich gefragt, wieso nicht jeder so mit den Worten umgehen kann. Ist es nicht ein wenig ungerecht, dass manche Leute die wahre Macht der Worte niemals erkennen werden? Natürlich, aber diese Leute sind wie Kinder, und Kindern kann man doch keine Waffen geben oder? Und genau das sind Worte: Worte sind wie Waffen.  

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