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verlagsheft2017

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Tante Fines Geheimnis (Artikelnummer: ISBN 978-3-942401-74-6)

Zugriffe: 2483 | Wertung:

Steffi wohnt mit ihren Eltern in der Stadt. Die Mutter ist Kinderärztin, der Vater Lokführer. Nicht mal in den Ferien bekommen sie Urlaub. Steffi muss zu Tante Fine und Onkel Franz. Die leben in einem Dorf. Dort ist es sterbenslangweilig, vermutet Steffi. Sie ist ein großes Mädchen und will den Eltern keinen Kummer machen.
Das ist nicht einfach. Tante und Onkel sind komisch. Alles um Steffi herum ist fremd. Die Tiere trösten sie. Sie kümmert sich um Quick und ihre drei Hundebabys, damit sie überleben. Dem Onkel Franz sind sie egal. Das empört Steffi. Sie lernt Basti kennen, der sie zickig findet. Trotzdem hilft er ihr. Er weiß Dinge, von denen Steffi keine Ahnung hat. Von Tante Fines Geheimnis erfährt er erst durch Steffi. Gemeinsam suchen sie Spuren. Die führen in die Vergangenheit. Das ist spannend und gefährlich.

Textauszug:

Die erste Nacht allein

Der Mond scheint ins Zimmer. Schattenbilder wackeln an der Wand. Weil sich die Äste der Bäume im Wind bewegen. Davor muss man keine Angst haben, das weiß Steffi. Aber die alten Möbel sind gruselig. Schrank, Kommode, Wäschetruhe. Im Heimatmuseum hatte Steffi solche Möbel schon gesehen. Mit ihrer Schulklasse war sie dort. Alle lachten über das alte Zeug.
Steffi liegt im Bett. Das schwankt und knarrt wie ein Geisterschiff. Auf dem Bettkopf- und dem Bettfußteil thronen ulkige Holzkugeln. Kanonenkugeln, denkt Steffi. Die braucht man, um Gespenster zu vertreiben. Alles ist hier gruselig, selbst der Mond. Gruseliger als in der Geisterbahn auf dem Rummelplatz. Die Hitze vom Tag steht noch im Zimmer. Das schwere Federbettdeck nimmt Steffi die Luft zum Atmen. Die steife Bettwäsche kratzt. Steffi beißt sich auf die Lippen. „Nur nicht weinen“, ermahnt sie Knuddel. Aus der aufgenähten Brusttasche ihrer Schlafanzugjacke zieht sie einen Zettel. Vor dem Schlafengehen hatte sie ihn noch schnell in die Tasche gesteckt. Steffi wollte nicht, dass Tante Fine ihn sieht. Der Zettel von Vater Ralf. Die Eltern sollen in der ersten Nacht  ganz nah bei ihr sein. Vorsichtig faltet sie den Zettel auseinander. Im Mondlicht kann sie lesen: „Wir haben dich lieb.“ Ob die Eltern jetzt an sie denken? Steffi springt aus dem Bett. Aus dem Rucksack holt sie ihr Handy. Das Geschenk der Eltern zu ihrem elften Geburtstag. Vater Ralf erklärte die Bedienung und wollte mit ihr üben.  „Ich bin doch kein Baby“, beschwerte sich Steffi. Sie hält das Handy in der Hand und blättert in den Telefonkontakten. Lara unter L, Mutti unter M. Jetzt auf Anrufen tippen, dann klingelt es bei Mutter Katrin. Vielleicht hat sie gerade einen Notfall. Und warum soll Steffi anrufen? Es ist doch alles in Ordnung. Morgen werden sich die Eltern sowieso melden. Sie verstaut das Handy wieder im Rucksack. Draußen schlägt die Kirchturmuhr. Zwölf zählt Steffi. Sie steht am Fenster und zieht die Gardine zur Seite. Am Himmel leuchten unendlich viele Sterne. Steffi zählt. Bei hundert gibt sie auf.
Oma hat früher in diesem Zimmer gewohnt. Tante Fine hat es erzählt.
Oma ist irgendwo dort oben. Vielleicht auf dem großen, grell leuchtenden Stern. Oder auf dem glitzernden neben dem Mond. Oder vielleicht auf dem kleinen, den man erst nach langem Hingucken sieht.
Wie mag Oma aussehen? Ist sie ein Engel? Ist sie alt mit grauem Haar? Steffi kennt ihre Oma nicht. Nur das Bild von ihr auf Mutter Katrins Nachttisch. Oma hieß Annemarie. Wenn Mutter Katrin von ihr erzählt, ist sie traurig. Manchmal weint sie auch. Deshalb fragt Steffi nicht nach ihrer Oma.
Steffi ist wieder im Bett. Das schwere Federbettdeck liegt zusammengerollt am Fußende. Sie kann immer noch nicht schlafen. Engel sind nicht alt. Sie haben Flügel und goldblonde Locken. Sie beschützen die Menschen auf der Erde. Aber an Engel glaubt Steffi nicht. Woher kennt Tante Fine ihre Oma Annemarie? Warum hat ihre Oma hier bei diesen komischen Leuten gewohnt? Am liebsten würde Steffi Tante Fine gleich fragen. Sie traut sich nicht mehr aus dem Bett. Oma spukt durch das Zimmer. Unter dem Bett, hinter dem Schrank, unter der Kommode und besonders in Steffis Kopf. Gleich morgen wird Steffi Tante Fine fragen.

Der Plan vom Waldsee
Gleich nach dem Mittag sind Steffi und Basti zum Waldsee gefahren. Sie liegen auf einer Decke im Gras. Am Ufer des Sees stehen bunte Lupinen. Noch bunter sind die über den Blumen schwirrenden Libellen.
„Die stehen ja in der Luft“, ist Steffi begeistert.
„Die können sogar rückwärtsfliegen“, erklärt Basti. „Wer ist zuerst im Wasser?“
Steffi und Basti rennen los. Basti ist der Erste. Ohne Zögern taucht er Meter um Meter tiefer in den See ein. Steffi bleibt erstarrt stehen. Bis zu den Knien reicht ihr das Wasser. „Verdammt, ist das arschkalt.“ Basti spritzt mit der flachen Hand Wasser in ihre Richtung.
„Hör auf“, schreit Steffi und dreht ihm den Rücken zu.
„Das ist hier kein Spaßbad. Du bist im Waldsee. Er wird von der Quelle oben am Ochsenkopf gespeist. Wenn du ein paar Minuten drin bist, wird es besser.“
Stimmt, stellt Steffi fest. Sie schwimmen bis zur Mitte des Sees und wieder zurück. „Ans gegenüberliegende Ufer können wir nicht“, sagt Basti. Dort ist kein Durchkommen. Ist alles mit Schilf bewachsen.“
Steffi ist froh, denn sie muss sich anstrengen, um mit Basti mitzuhalten.
Wieder auf der Decke lassen sie sich von der Sonne trocknen. Steffi hat die Augen geschlossen. Basti kitzelt sie mit einem Grashalm auf der Nase. Mit der Hand fährt sich Steffi übers Gesicht. „Ist gar nicht so übel, euer Dorf! Nur die Fliegen sind hier lästig.“
Basti bekommt einen Lachkrampf.
„Ach, du warst das!“ Steffi knufft Basti in die Seite.
„Ich habe meinen Opa gefragt“, sagt Basti nach einer Weile unaufgefordert.
Steffi sieht ihn gespannt an. „Und, sag schon!“
„Keine Chance. Der schweigt wie ein Grab. Über Gerüchte spricht er nicht, das war alles.“
„So ein Mist“, sagt Steffi. Sie hält sich die Hände vor das Gesicht. Sie kann ihre Enttäuschung nicht verbergen.
Basti packt sie an den Armen. „Ich war doch noch gar nicht fertig. Meine Mutter hat sich verplappert. Stell dir vor! Ihre Lehrerin, also deine Oma und der Franz waren ein Liebespaar. Als ich mehr wissen wollte, hatte sie plötzlich keine Zeit mehr. Steffi, du hast recht, da stimmt was nicht!“
„Meine Oma Annemarie und der Franz? Glaub ich nicht!“
„Meine Mutter lügt doch nicht!“
„Das Fotoalbum mit dem Herzchen“, sagt Steffi. „Nur wenn wir das haben, wissen wir mehr!“
Basti rümpft die Nase. „Wie willst du das anstellen?“
„Der Schlüssel von der Wurstkammer hängt im Flur hinter der Gardine. Der Karton mit den Bildern steht unten im Schrank. Vielleicht in der Nacht, wenn Tante Fine und Onkel Franz schlafen?“
Basti überlegt. „Das wird nichts. Die gehen immer spät ins Bett. Die schnarchen doch erst bis Mitternacht vor dem Fernseher. Besser ist es am Tag. Tante Fine geht tagsüber nicht nach oben. Ihr fällt das viel zu schwer.“
„Aber Onkel Franz“, sagt Steffi verzweifelt.
„Ich hab die Idee“, Basti springt auf und hüpft um die Decke. „Ich hab‘s, ich hab‘s!“
Steffi versucht ihn festzuhalten. „Nun sag doch schon. Los!“
„Morgen Nachmittag ist die Versammlung der Jagdgenossen. Weiß ich von meinem Opa. Er geht gemeinsam mit Onkel Franz immer dorthin. Und Tante Fine können wir ablenken.“
Steffi zweifelt noch. „In der Wurstkammer ist kein Licht. Die Taschenlampe steht bei Tante Fine im Schlafzimmer auf dem Nachttisch. Da komme ich nicht ran.“
„Das ist doch kein Problem. Ich bringe zwei mit“, sagt Basti überzeugt von seinem Plan. „Was ist, hast du Angst?“
„Ich? Angst? Morgen Nachmittag“, sagt Steffi, als sie sich für den nächsten Tag verabreden. Sie rollen die Decke zusammen und verstauen ihre Sachen im Rucksack. Vergnügt radeln sie zurück ins Dorf. Nichts kann sie mehr von ihrem Plan abhalten.

 

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