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verlagsheft2017

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Jette mit der Kastagnette (Artikelnummer: ISBN 978 3-946219-17-0)

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Jette ist ein Kastanienbaum, genau gesagt: ein Esskastanienbaum. Sie hatte von Beginn an nicht so einen geraden Stamm wie ihre Geschwister. Viele Leute kamen in die Baumschule, um einen Baum zu kaufen. Aber niemand wollte Jette. So verbrachte sie, statt wie ihre Brüder und Schwestern ausgepflanzt zu werden, über Jahre ein Dasein in einem Pflanzkübel. Der wurde natürlich für ihre Wurzeln irgendwann zu eng. Und auch ihre Äste und Zweige waren bald so ausladend, dass die Herbstwinde sich in ihnen verfingen und Jette samt Kübel immer wieder umwarfen.
Also kam der Gärtner mit einer Schere und schnitt die Krone des Baumes, was dem natürlich sehr weh tat.
So vergingen zwei oder drei Jahre. Immer aufs Neue trieb Jette im Frühling frische Zweige. Sie blühte sogar. Vielleicht, um den Leuten, die sich in der Baumschule nach Pflanzen umschauten, zu gefallen.
Aber niemand interessierte sich für das Bäumchen mit dem schief gewachsenen Stamm.

Textauszug:

Einsamkeit macht hart

Danach war alles wie vorher: Jette harrte da, vergessen, in jener Ecke. Die Stelle, an der das Mädchen die Kastagnetten versteckt hatte, war inzwischen mit stacheligem Kraut überwachsen. Etwas anderes konnte sich in dem trockenen Kübel außer Jette nicht am Leben erhalten. Deren Geschwister waren frei ausgepflanzt inzwischen zu prächtigen Bäumen herangewachsen. Nur jenes Loch am Boden bewahrte Jette vor dem sicheren Tod. Denn die Sommer in Spanien sind sehr heiß und es regnet kaum. Mit einer einzigen Wurzel, die nach unten in das Erdreich ging, sicherte sie sich gerade so ihr Überleben. Aus ihr wurde ein kleiner, knorriger Baum, den niemand beachtete. Nicht der Gärtner, wenn er gelegentlich in die rumpelige Ecke seiner Baumschule kam, um dort neuen Unrat abzuladen. Und auch nicht die Besucher, die vorn, an der Verkaufsfläche, einen schönen, geraden Esskastanienbaum für ihren Garten suchten.
Jette verhärtete mit der Zeit immer mehr. So eingezwängt und abseits ein Dasein zu fristen, das war nicht schön. Und wenn sie wieder einmal jemanden sagen hörte: „Dieser Baum gefällt mir, den nehme ich mit!“, dann wusste sie, dass damit die anderen Pflanzen auf der Ausstellungsfläche gemeint waren. „Kommt hier hinter in die Abfallecke und rettet mich!“, rief sie manchmal. Aber niemand konnte oder wollte sie hören.
Manchmal dachte Jette an den Besuch des Mädchens zurück. Und sie erinnerte sich an den Tanz, die schwarzen Haare und die goldenen Ohrringe. Und natürlich an die beiden Kastagnetten, die seither am Fuße ihres Stammes eingegraben waren. Ob das mit dem Wunsch und dem Zauber wirklich stimmte? „Von ganzem Herzen und von ganzer Seele“, hörte Jette in ihren Gedanken Maria noch einmal sagen. Und: „Es darf nur ein einziger Wunsch sein.“
Sollte sie ausprobieren, ob das mit dem Zauber wirklich stimmt? Sollte sie versuchen, ob sie wirklich jemand mit zu sich nach Hause nimmt?
Was aber, wenn sie den geheimen Zauber irgendwann später noch viel dringender benötigen würde? Mit der Zeit hinterließen Einsamkeit und Hunger und Durst Spuren auch in Jettes Denken und Fühlen. „Zerkratzt euch doch die Gesichter an meinem zurückgeschnittenen Holz!“, rief sie eines Tages in Richtung der Stimmen auf der Ausstellungsfläche und erschrak dabei über sich selbst. Ihr Holz war durch Stürme, Sonne, Wind und alle Entbehrungen inzwischen so hart geworden, dass es wohl bei keinem Gewächs dieser Baumschule ein härteres gab.
Niemand hörte Jette. Weder ihre verzweifelten Rufe noch ihr böses Schimpfen. Zu sehr waren die Leute mit ihren Einkäufen und den schönen Pflanzen im vorderen Teil der Baumschule beschäftigt. Und vielleicht verstanden sie auch nur ihre eigene Sprache, hatten kein Gehör für das Flehen und die Wünsche eines Baumes.
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