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verlagsheft2017

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Wer ein Buch aufschlägt, hört die Welt hämmern
(Jerichower AusLese, Dorise Verlag 2008, Hg. für den Pelikan e.V. von Wilfried Zacke)

Es fällt schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen.
Aber es fällt nicht weniger schwer, es hintereinander weg zu lesen. Die einzelnen Erzählungen dieser Anthologie erfordern Abstand. Die Gedanken dazu lassen sich nicht wie eine Buchseite umblättern, wegblättern.
Bereits der Titel irritiert:
Wie viele Bücher habe ich schon aufgeschlagen, ohne dass auch nur ein Hämmerchen hörbar gewesen wäre. Dieses Buch nimmt sich viel vor!
Schreibe es dir von der Seele, - eine alte Weisheit! Hier wird sie lebendig.

Es war ein guter Zufall, der mir dieses Buch in die Hände legte. Die Ergebnisse der Schreibrunde des Psychiatrie-Krankenhauses Jerichow sind wohl eher vor Ort bekannt, zu Unrecht! Dabei ist es bereits ihre fünfte Anthologie. Es ist ein wohl deutschlandweit einzigartiges Projekt. Es sollte deutschlandweit bekannt werden!

Die Themenvielfalt erstaunt, denn es ist durchweg ein Auseinandersetzen mit menschlichen Situationen, ein Ausloten von zwischenmenschlichen, aber auch gesellschaftlichen Ursachen und deren oft unvorstellbaren und völlig unterschiedlichen Auswirkungen.

Wir lesen von Stufen der Selbstfindung, von Ängsten und tiefer Depression, von schmerzhaften Versuchen zu vergessen, vom Akzeptieren und Überwinden bis zum Triumphieren über tückische Erkrankungen. Klug und bewegend nennt C. Kricheldorf einen der Zielaspekte in ihrem Gedicht „Weiter

                                                                                  drei schritte vor
                                                                                  keinen zurück
                                                                                  nur nicht umdrehen
                                                                                  weiter
                                                                                  sonne im regen sehen…“
( S. 342)
Sonne im Regen sehen! – Man sollte es sich merken!

Wir erfahren vom Glücksgefühl, dieser Schreibrunde anzugehören, vom Schreiben als Waffe gegen trübe Tage, von der aufrichtenden Kraft des Schreibens und des kritischen Gesprächs. Wer seinen Text vorträgt, zur Diskussion stellt, lernt mit Kritik umzugehen und wird selbstbewusster.
Eine Vielzahl von Autoren stellt sich vor, zögernde Anfänger, Fortgeschrittene mit mehreren Texten und bereits gestandene Schriftsteller, die mit eigenen Büchern auf dem Buchmarkt vertreten sind. Professionell Geschriebenes, literarisch Beachtliches steht neben wenigen, noch unbeholfen die mögliche Wirkungen abtastenden Zeilen. Und gerade die lassen mich nicht los.
Die Darstellungen reichen vom belichteten Moment bis zur konfliktreichen Erzählung.
Kurze Texte dominieren, manches wird verhalten, anderes lebhaft erzählt. Meist ernst geschrieben, dem Gegenstand angemessen, aber auch humorvoll bis ironisch distanzierend.

So vielfältig die menschlichen Probleme auch sind, hier hämmern sie!
Kaum hörbar die einen, lautstark die anderen. Und zwischendrin mitunter ein reiner Glockenton.
Als Titel angemessen wäre: Wer dieses Buch aufschlägt, hört die Welt hämmern.

Dr. Waltraud Seidel

Das Buch erschien unter ISBN 978-3-937973-60-9

   
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