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verlagsheft2017

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Gedanken zum Buch „Ich war das goldene Kind“ von Kerstin Blasczyk

Die Rezension schreibe ich aus der Erinnerung heraus. Ich las das Buch vor vier Monaten, nun finde ich es nicht wieder. Es ging durch mehrere Hände und scheint verschollen.  In dieses Buch tauchte ich in den Lesestoff ein und kam erst zum Schluss in mein eigenes Leben zurück. Es hallt undenkbar stark nach.

Zu Beginn des Buches konnte ich mich mit der Autorin, Kerstin Blasczyk,  identifizieren.  Sie schildert eine Partnerschaft, in der gegenseitige Aufmerksamkeit fehlt, die auseinanderstrebt.

Die Protagonistin wird empfänglich für Liebesgefühle zu einem anderen Mann. Als sie anschließend ohne ihren Partner zum Urlaubsflirt fliegt, ihren Beruf vernachlässigt, beginnt die Spannung zu steigen. Diese Grenzen zu überschreiten, erfordert Mut. Aber wer plündert die gemeinsamen Konten und lässt alles Vergangene ohne Wehmut hinter sich? Oft fragte ich mich: „Ab wann wird in diesem Buch die Grenze zwischen dem normalen Leben und dem Wahnsinn überschritten?“

Ich denke, dass niemand ohne Gepäck, Geld oder Papiere reisen würde. Aber ihr ist es egal. Kerstin Blasczyk reiste durch halb Europa, verfolgt von fremden Mächten.  Oder war es eigene Mächte? Sie war enthemmt, sprach perfekt englisch.  Später setzte sie sich in ein Flugzeug, das nach Hause flog. Wieso beeindruckte mich dieses Buch, wieso ließ es mich nicht los? Vielleicht, weil sie Dinge tat, die ich mir nie trauen würde.

Was lernte ich aus diesem Buch? Mein Leben nicht so verbissen zu planen. Im Leben läuft nicht alles glatt, jeder muss auf unvorhersehbare  Ereignisse reagieren, oftmals streben diese in andere Richtungen. Und dann? Dann entscheidet sich, ob wir charakterlich gewachsen sind oder einen Schritt zurück gingen.

Mich erschreckten die Schilderungen der Verwandten, dass  Kerstin auf dem Flughafen liegend, wild um sich schlug. Das Bild der eigenen Wahrnehmung und der der Verwandten drifteten auseinander.  Ich konnte der Autorin nachempfinden, wie ohnmächtig und anschließend erfinderisch sie reagierte, als die Ärzte ihre Freiheit raubten.

Beängstigend finde ich Sams Stimme in Kerstins Kopf. Sam nahm  ihr die Freiheit, bevor es die Ärzte taten. Er klärte sie über die Situationen auf, wies sie an, wie sie sich verhalten solle. Kerstin war nicht Herr im eigenen Körper, sie verlor ihr Wesen, war Sams verlängerter Arm und dieser brachte sie in Gefahr. Das war der Moment, in dem ich erfuhr, dass sie von der Krankheit bestimmt war.

Die Autorin nimmt uns auf ihre Reisen mit, durch eine Krankheit,  die ich vor dem Buch nicht verstehen konnte.  Sie zeigt das Leben mit Schizophrenie  und belehrt nicht, sondern klärt auf.  Aus Sicht der Schriftstellerei lag wohl eine Perle in meinen Händen, ich vergaß die Zeit.

Wie diese Krankheit wirkt und wie sie entstand,  ist in dem Buch „Allein hätte ich es nicht geschafft. – Gedanken zum Leben mit Schizophrenie“ erklärt. Dorothea Iser schildert  kurz  Kerstins Geschichte und beschreibt die junge Frau. Darüber hinaus ist ein Interview der Autorin mit Schülern der Betriebsberufsschule in Oschersleben und Kerstins Psychotherapeuten, Herrn  Joachim Müller, wiedergegen. Das Interview zeigt, wie diese Krankheit auf Außenstehende wirkt, nimmt die Hemmschwelle zur Autorin, die nun ein normales Leben führt, ein Leben in Freiheit, dass ihr die Ärzte zurückgaben. Das Buch erklärt aus medizinischer Sicht die Ursachen von Schizophrenie und den Augenblick, in dem sich die Krankheit erkennen lässt.

Die Autorin ist mit ihrer besiegten Geisteskrankheit nicht allein. Viele bekannte Persönlichkeiten, wie z. B.  Ernest Hemingway oder Vincent van Gogh,  litten an psychischen Krankheiten.  Und so hoffe ich, dass die Autorin weiterschreibt, für sich und für uns, ganz langsam, Schritt für Schritt.

Simona M.

 

Das Buch erschien unter ISBN 3-937973-11-7

   
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