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verlagsheft2017

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Mädchen von Gabriele Andro

Das Mädchen dachte immer, sie sind eine ganz normale, kleine, glückliche Familie. Sie haben sich auf das Mädchen verlassen können. Schließlich war es die Große. Doch aus ihr wurden viele Mädchen, abgelegt in Schubladen. Jedes mit einer eigenen erschütternden Geschichte.

In ihrem Buch „Mädchen“ beschreibt Gabriele Andro ihre Kindheit und Jugend.

Sexueller Missbrauch in der Familie, dort wo Kinder Schutz und Geborgenheit suchen, darüber spricht man nicht gern. Hoch ist die Dunkelziffer. Auch Gabriele Andro schwieg. Erst als erwachsene Frau sucht sie professionelle Hilfe, um all das Erlebte verarbeiten zu können. Das ist für die meisten Missbrauchsopfer symptomatisch. Das missbrauchte Kind ist in seiner Persönlichkeit und Wahrnehmung gestört. Wem kann es vertrauen? Ist es vielleicht selbst schuld am Geschehenen? Dazu kommt, dass der Täter dem Kind oft Schuldgefühle einredet. Genauso beschreibt es Gabriele Andro in ihrem Buch.

Neun Jahre ist sie alt. Die Eltern lassen sich scheiden. Sie ist nicht das Lieblingskind. Das ist ihr kleiner Bruder Maximilian. Der stirbt durch einen Unfall, ertrinkt in der Oder. Sie ist schuld, sie hätte aufpassen sollen, als große Schwester. Die Familie zerbricht. Ihr zweiter Bruder Silvio geht mit dem Vater, sie bleibt bei der Mutter. Mit dem neuen Freund der Mutter ziehen Alkohol und Zigaretten ein. Das Mädchen ist sehr einsam, keiner mag es, keiner will es. Die erste Schublade geht auf.

Die Mutter des Mädchens verschließt die Augen. Es ist anzunehmen, dass sie in ihrer Kindheit selbst Opfer war. Sie lässt geschehen, tröstet sich mit Alkohol und glaubt ihren Lebenslügen. Hilfe für das Mädchen gibt es nicht, es ist allein. Weitere Schubladen füllen sich mit den Geschichten „Der Onkel, „Das Bad“, „Schlafenszeit“ und „Sonntag“, um nur einige zu nennen. Für jede Geschichte steht ein Mädchen mit eigenem Namen. Die Schubladen werden mit den Mädchennamen beschriftet, als Selbstschutz, denn die Laden kann man zu schieben, ausblenden. Erst nach Jahren öffnen sie sich und die Mädchen kommen wieder zum Vorschein. In den Träumen der erwachsenen Frau, brutal und beängstigend, grausam und selbstzerstörend. Die Träume spiegeln ihr Leben wider, aufschreiend und weinend. Aber durch ihre Traumbilder lernt die Frau auch, die Geschehnisse einzuordnen und zu kontrollieren. Sie lernt zu begreifen, dass es nur ein Mädchen gibt.

Heute kann Gabi Andro, wenn sie will, die Mädchen in den Schubladen ruhen lassen. Sie hat es geschafft, ins Leben zu finden. In ihr Leben. Sie trägt keine Schuld, die tragen andere.

Es braucht Mut, das Erlebte der Öffentlichkeit preiszugeben. Gabi Andro hatte diesen Mut. Ich weiß, ihr Buch „Mädchen“ wird helfen. Denen, die Ähnliches erlebt haben. Und es wird für dieses Tabuthema sensibilisieren.
Inge Nedwed


Das Buch erschien unter ISBN 978-3-937973-64-7

   
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